Blog: Warum Bezahlen an der Ladesäule so frustriert und was Anbieter tun können

Die USCALE Charging Payment Study 2026 hat erstmals ausführlich das Bezahlverhalten von EV-Fahrenden untersucht. Die Studie beschreibt, welche Bezahlmethoden EV-Fahrende tatsächlich nutzen und woher die Unzufriedenheit kommt.

Charging Payment Study 2026:
Warum Bezahlen an der Ladesäule so frustriert und was Anbieter tun können

In den letzten zehn Jahren hat sich viel getan: Ladeleistung, Reichweite und Infrastruktur sind stark gewachsen und das Laden wird komfortabler. Eines aber bleibt: die Intransparenz rund um das Bezahlen an der Ladesäule.

Die Liste der Bezahlmethoden und möglichen Zahlungsmittel ist lang, aber die Unzufriedenheit ist weiterhin hoch.

Die USCALE Charging Payment Study 2026 hat erstmals ausführlich das Bezahlverhalten von EV-Fahrenden untersucht. Die Studie beschreibt, welche Bezahlmethoden EV-Fahrende tatsächlich nutzen und woher die Unzufriedenheit kommt. Sie zeigt,

  • welchen Einfluss Bezahlmethoden und Zahlungsmittel auf die Wahl des Ladedienstes haben,
  • warum Plug and Charge wenig genutzt wird,
  • ob es eine Aufpreis-Bereitschaft für bestimmte Bezahlmethoden und Zahlungsmittel gibt,
  • welche Payment-Strategien CPOs, OEMs und Mineralölunternehmen jetzt brauchen,
  • welche Zahlungsmittel besonders attraktiv sind
  • und welche innovativen Bezahlmethoden einen Ausweg weisen könnten u.v.m.

Gerade in Zeiten, in denen CPOs unter geringer Auslastung leiden, ist es entscheidend, das Verhalten und die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer genau zu verstehen.

IST ≠ SOLL: Das tatsächliche Bezahlverhalten hat nur wenig mit den Wünschen zu tun

Angesichts der vielen Bezahlmöglichkeiten könnte man annehmen, dass alle EV-Fahrenden ihre bevorzugte Bezahlmethode finden und nutzen. Die Realität sieht anders aus: Gewünschtes und tatsächliches Verhalten liegen deutlich auseinander.

IST ≠ SOLL: Das tatsächliche Bezahlverhalten hat nur wenig mit den Wünschen zu tun

Viele Gründe für die Unzufriedenheit

Warum nutzen EV-Fahrende nicht einfach die Bezahlmethode, die sie bevorzugen?
Die Studie zeigt eine ganze Reihe von Gründen – von mangelnder Verfügbarkeit über komplizierte Abläufe bis hin zu schwacher User Experience.

Ein Beispiel ist Plug and Charge/Autocharge: Selbst an DC-Ladesäulen wird es nicht durchgängig angeboten. Dort, wo es möglich ist, fallen oft Roamingaufschläge an, wenn EV-Fahrerinnen und -Fahrer keinen Vertrag mit dem jeweiligen Anbieter haben. In vielen Fahrzeugen kann nur ein Vertrag hinterlegt werden. Wer mit einem anderen Anbieter laden möchte, zahlt daher an PnC-fähigen Säulen häufig Aufschläge.

Ein weiteres Beispiel ist das Direkt-Bezahlen (Ad-hoc), das an immer mehr Ladesäulen angeboten wird. Dort, wo sie verfügbar ist, empfinden viele Befragte die User Experience als umständlich und nicht intuitiv.

Die Studie zeigt klar: Keine Bezahlmethode erfüllt derzeit alle Erwartungen. Stattdessen sehen EV-Fahrende in jeder Methode spezifische Vor- und Nachteile. Dabei adressiert jede Methode ein anderes zentrales Bedürfnis.

Keine Bezahlmethode erfüllt derzeit alle Erwartungen. Stattdessen sehen EV-Fahrende in jeder Methode spezifische Vor- und Nachteile. Dabei adressiert jede Methode ein anderes zentrales Bedürfnis.

Viele Bezahlmöglichkeiten – keine überzeugt

Die Vorteile der einen Methode sind in der Regel die Nachteile der anderen Methode. Das Ergebnis ist, dass keine Bezahlmethode alle Grundbedürfnisse im geforderten Maße erfüllt. So hilft die Vielzahl der Möglichkeiten nur bedingt und viele EV-Fahrerinnen und -Fahrer attestieren dem Ökosystem großen Verbesserungsbedarf.

So hilft die Vielzahl der Möglichkeiten nur bedingt und viele EV-Fahrerinnen und -Fahrer attestieren dem Ökosystem großen Verbesserungsbedarf.

Was heißt das für Anbieter?

Je nach Geschäftsmodell arbeiten die Anbieter daran, dass sich „ihre“ Bezahlmethode durchsetzt:

  • Autohersteller wünschen sich, dass ihre Kundinnen und Kunden Plug and Charge bevorzugen.
  • Die meisten Mineralölunternehmen setzen derzeit auf Ad-hoc-Bezahlen.
  • Reine CPOs möchten, dass ihre Kundschaft vorrangig die eigene Lade-App nutzt.

Anbieter versuchen daher, ihre Kundinnen und Kunden von ihrer bevorzugten Bezahlmethode zu überzeugen. Damit das gelingt, müssen sie zwei Dinge tun:

  1. Nachteile ihrer bevorzugten Methode reduzieren: Bezahlstrecken vereinfachen, User Experience verbessern, Transparenz erhöhen, Roamingaufschläge begrenzen, PnC-Verfügbarkeit ausbauen.
  2. Segmentierung und Zielansprache schärfen: Payment-Personas für Kampagnen nutzen und passende Bezahlmethoden je Standort und Use Case priorisieren.

Payment-Personas

Die Studie zeigt, dass sich – abhängig von der bevorzugten Bezahlmethode – klar unterscheidbare Kundensegmente identifizieren lassen. Diese sogenannten Payment-Personas weisen spezifische Präferenzen und Affinitäten zu bestimmten Ladeservice-Anbietern auf.

Ein Beispiel:

Die Ad-hoc-Persona

  • gehört häufiger zu Gen X und lebt häufiger in der Kleinstadt,
  • fährt seltener eine Premiummarke und bevorzugt stattdessen VW oder MG,
  • nutzt seltener Apple-Pay und interessiert sich weniger für Bonusprogramme,
  • bevorzugt bestimmte Ladeorte und CPOs.

Was heißt das für Anbieter?

Die geringe Auslastung vieler Ladesäulen führt zu erheblichem Wettbewerbsdruck. CPOs und andere Marktakteure müssen ihre Kundinnen und Kunden genau kennen – und ihre Angebote sowie ihr Marketing an den tatsächlich erreichbaren Zielgruppen ausrichten. Die Studie zeigt die Zusammenhänge und die Payment-Personas zeigen, welche Zielgruppen sie an welchen Standorten mit welchen Bezahlangeboten erreichen.

Open-Loop ist nicht gleich Open-Loop

Auch innerhalb der sogenannten Open-Loop-Bezahlmethoden, wie Ad-hoc-Methoden in der Branche oft genannt werden, gibt es zahlreiche Varianten. Je nach Nutzertyp gibt es auch unterschiedliche Gründe, die im Vordergrund stehen. Auch die Frage, ob Kredit-/Debit- oder Girokarte, Paypal oder Apple/Google Pay akzeptiert werden, hat einen Einfluss auf die Wahl des Anbieters.

Innovative Bezahlmethoden attraktiv

Um das Bezahlen einfacher und komfortabler zu machen, arbeiten Anbieter an innovativen Alternativen, wie digitaler Ladekarte, Multi-Contract-Funktion in der Head-Unit oder Direkt-Bezahlen aus der Navi-App. Aus Sicht der Befragten ist – kurz gesagt – alles willkommen, was die Situation verbessert.

Fazit

Die Bezahlwelt beim öffentlichen Laden ist aus Sicht der Mehrheit der EV-Fahrenden unbefriedigend. Die Branche muss erhebliche Anstrengungen unternehmen, die Situation zu verbessern. Die Situation frustriert nicht nur die 4% aktuellen EV-Fahrenden. Der Ladedschungel hält auch viele Interessierte im nächsten Segment vom Umstieg auf ein E-Auto ab.

Quellen:
USCALE Charging Payment Study
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